“Sale” – doch es gibt Hoffnung!

Neulich auf der Zeil in Frankfurt: “Sale” wo man hinschaut. Mal 20%, mal bis zu 50% – überall prangen einem rote Schilder in den Schaufenstern entgegen, die so klingen, als müsse dort jeder “Sale” offerieren, weil alle anderen es auch tun. Alle? Nein! Während ich so an den Schaufenstern von “Appelrath & Cüpper” und – gleich daneben – “Pohland” entlang laufe, bemerke ich etwas Wundersames, etwas, das mir wie aus einer anderen Welt vorkommt: Auf großen Säulen in den Schaufenstern stehen die Worte “Reduziert”!

Ich wähne mich plötzlich auf einer Zeitreise. Waren es nicht die früheren Generationen, die solche komischen Wörter wie “reduziert” verwendeten? Ist es nicht ein Zeichen einer (selbstverständlich jungen) urbanen Avantgarde, die so ein Wort wie “reduziert” ebenso meidet wie das an die Oma erinnernde Wort “Schnäppchenjäger” und allein schon deshalb “Sale” braucht?!

Anscheinend nicht. Offenbar besinnen sich angesehene Händler auf der Zeil einer gewissen “Seriosität” der Sprache als Bestandteil eines ebenso seriösen Werbeauftritts und werden sich der Lächerlichkeit eines lemminghaften Nachäffens bei Verwendung pseudomoderner Wörter, die es so eigentlich gar nicht gibt, bewusst.

Mal im Ernst: Bei mir bewirkt die inflationäre Verwendung von “Sale” mittlerweile die Assoziation von “Ramsch” oder “Wühltisch”. Etwa so wie die blinkenden LED-Schilder mit dem Schriftzug “open” im Schaufenster, die es offenbar nicht in deutsch gibt. Wenn es solche Schilder in arabischen oder türkischen “Gemischtwaren-Billig-Läden” gibt, mag man sich daran schon gewöhnt haben. Aber wenn so ein Schild dann aus einer edleren Boutique seine Signale blinkend aussendet, wirkt es nur noch peinlich.

Appelrath & Cüpper und Pohland – herzlichen Glückwunsch! Es ist zur Nachahmung empfohlen.

Frankfurt – Roßmarkt – Kunst oder Unfallgefahr?

Sie sind Frankfurter und kennen den Roßmarkt? Dann kennen Sie sicher auch die seit 2008 bestehende Neugestaltung mit dem weitläufigen U-förmigen Gebilde aus ansteigenden Stufen, in dessen Mitte sich das Gutenberg-Denkmal befindet. Es ist ein überaus schönes Konzept. Das Design stimmt, die Schlichtheit der Pflasterung aus Basaltsteinen mit den weiß-grau abgesetzten Stufen überzeugt. Und zwar denjenigen, der mit einer gewissen Portion Kunst-Affinität ausgestattet ist. So weit – so gut.

Nun stelle man sich vor, man ist ein schon etwas betagter Mensch mit einer entsprechend eingeschränkten Beweglichkeit und läuft von der Straße aus in Richtung Platzmitte. Plötzlich tritt man mit einem Fuß ins Leere. Das heißt nicht wirklich ins Leere, sondern nur etwa 5 cm tiefer. Ein Stück weiter rechts wären es vielleicht nur 3 oder 4 cm, ein Stück weiter links 6 cm und mehr.

Als jüngerer, sportlicher Mensch reagiert man sofort, entlastet das auf das konkrete Bein wirkende Körpergewicht und fängt mit Muskelkraft alles auf. Das klappt aber wohlgemerkt nur dann, wenn man ein ausreichendes Körpergefühl hat. Ich möchte nicht behaupten, dass so ein Körpergefühl allzu weit verbreitet ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Einer (in einem konkreten Fall) 76-jährigen, etwas seh- und gehbehinderten Dame geht es anders. Sie kann sich nicht auffangen, stürzt und erleidet schwere Verletzungen im Schulter- und Armbereich, sowie einen Rippenbruch. Der Heilungsverlauf ist kompliziert und geradezu endlos, der Schaden (nicht zuletzt für die Krankenversicherung und somit die Versichertengemeinschaft) groß.

Betrachtet man den Unfallort, ist man irritiert. Was ist das eigentlich? Handelt es sich um eine “Stufe”? Wenn ja – wo hat sie begonnen? Ist sie schon an der Stelle eine Stufe, wo der Höhenunterschied gerade mal einen halben Zentimeter beträgt? Viele Meter weiter links wird daraus tatsächlich eine “normale” Stufe. Ja sogar mehrere! Aber weiter rechts ist es keine Stufe, sondern eher eine Art “Stolperfalle”. Das Entscheidende ist nämlich, dass man – je nach dem, wo man das Gebilde überquert – nicht einmal wahrnimmt, dass sich dort eine Stufe oder eine Art “kleine Stufe” befindet.

So sieht es dort aus:

Der Roßmarkt in Frankfurt

Laufrichtung der älteren Dame. Sie sah nur einen weißen Streifen vor sich.

Roßmarkt in Frankfurt

Allmählich und flach ansteigender Höhenunterschied, der insbesondere von älteren Leuten locker übersehen wird.

Die Gedanken schweifen in Richtung “Verkehrssicherungspflicht”. Davon hat schon jeder mal gehört. Und man erinnert sich an die unzähligen weiß-roten oder gelb-schwarzen Markierungsstreifen z.B. an Treppenabgängen oder gar Treppenstufen, obwohl man sie eigentlich für überflüssig hält. Denn jeder weiß, dass eine Treppe eben aus Treppenstufen besteht. Warum also, denkt man sich, wird eine solche allmählich abfallende oder ansteigende “Stufe” nicht erst recht markiert?! Ach ja, klar, das geht nicht! Man kann das schöne Design des Platzes doch nicht durch hässliche Markierungsstreifen verunstalten! Kann etwa der breite weiß-graue Streifen diese Funktion erfüllen? Nein! Man kann nicht erwarten, dass jeder einen etwas über einen halben Meter breiten Streifen dahingehend interpretiert, dass sich dahinter eine Stufe befindet. Zumal wenn dieser selbe Streifen schon dort anfängt, wo noch gar keine wahrnehmbare Stufe vorhanden ist.

Man stellt sich vor, wie es denn wäre, würde man irgendwo eine kurze Treppe bauen, die etwa – künstlerisch wertvoll – mit versetzt von einer Seite zur anderen ansteigender Stufenhöhe ausgestattet wäre. Keine Baubehörde würde so etwas genehmigen! Oder wenn, dann nur zum Anschauen, aber nicht zum Begehen.

Also ein klarer Fall von Verletzung der Verkehrssicherungspflicht durch die Stadt Frankfurt? Der Gedanke ist naheliegend. Doch die Stadt sagt: “Selber schuld!” Wenn die ältere Dame so unvorsichtig sei und die Stufe nicht wahrnehme, dann habe sie den Unfall fahrlässigerweise selbst verschuldet. Schadensersatz gibt’s nicht!

Man will es nicht glauben und zieht – zwangsläufig – vors Gericht. Und kommt aus dem Stauen nicht heraus: Sowohl das Landgericht als auch das Oberlandesgericht Frankfurt sagen: “Selber schuld!” So geschehen im Frühjahr 2012.

Irgendwie kennt man da ganz andere Entscheidungen, gerade beim Thema “Verkehrssicherungspflicht” – nämlich zu Gunsten des Bürgers.

Ob die beiden Gerichtsinstanzen sich vielleicht nur scheuten, der Stadt Frankfurt die Gefährlichkeit eines solchen Bauwerks vor Augen zu führen? Gewiss, im Falle einer Verurteilung kämen auf die Stadt horrende Kosten zu. Nicht wegen des Schadensersatzes an die ältere Dame, denn dafür hat die Stadt schließlich eine Versicherung. Sondern wegen der dann notwendigen Umbaukosten und des mit dem maßgebenden Architekten und Künstler zu führenden Streits. Also hat man sich wohl lieber darauf festgelegt, die ältere Dame sei selbst schuld.

Hat jemand mit diesem Bauwerk ebenfalls negative Erfahrungen gemacht? Über Zuschriften in Form von Kommentaren würde ich mich freuen. Nicht wegen des konkreten Falles; dieser ist nun rechtskräftig abgeschlossen, man kann nichts mehr machen. Sondern wegen des Erfahrungsaustauschs und um die Stadt vielleicht irgendwann dazu zu bewegen, etwas zur Vermeidung dortiger Unfälle zu unternehmen.

Mindestlohn – hochaktuell!

Der Druck wurde immer größer, plötzlich macht sogar die CDU einen Schwenk und erklärt sich für den Mindestlohn! Zumindest die Führung der Union.

Aber weiß denn jeder, welche Überlegungen dazu führen, einen bestimmten Betrag als Mindestlohn zu verlangen? Man hört von ganz unterschiedlichen Beträgen, die sich irgendwo im Bereich um 8,00 EUR pro Stunde einpendeln. Ich möchte kurz erklären, warum das zu wenig ist:

Zum einen gilt die These, dass sich Arbeit lohnen muss, dass also jemand, der für sein Geld arbeitet, unbedingt mehr haben muss, als jemand, der nur vom sozialen Netz aufgefangen wird. Doch wenn lediglich diese These das alleinige Kriterium sein sollte, bliebe man doch nur auf halber Strecke stehen. Es wird dabei etwas wichtiges vergessen, nämlich die Notwendigkeit, auch die Kinder zu unterhalten, und zwar aus dem Arbeitseinkommen der Eltern.

Ich als Familienrechtler bin fortwährend mit Situationen konfrontiert, in denen ein getrennt lebender oder geschiedener, gering verdienender Vater nur noch sich selbst unterhalten kann, obwohl er vollschichtig arbeitet! Für die Kinder müssen dann regelmäßig die diversen Sozialbehörden aufkommen, also der Steuerzahler. Auch das ist eine versteckte Subventionierung der Arbeitgeber.

Meine nachfolgende Berechnung ist zwangsläufig sehr vereinfacht und pauschalierend, aber anders geht es nicht und es ist auch ausreichend:

Pro Frau, also gewissermaßen pro Elternpaar, gibt es in Deutschland derzeit ca. 1,36 Kinder. Nehmen wir einfach mal an, dass jeder arbeitende Erwachsene in der Lage sein sollte, wenigstens ein Kind zu unterhalten. Der Barunterhalts-Bedarf eines Kindes ist gesetzlich geregelt, die sog. “Düsseldorfer Tabelle” zum Kindesunterhalt dürfte vielen auch bekannt sein. Man kann aus dem dortigen Zahlenwerk konstatieren, dass man monatlich rund 300,00 EUR pro Kind an Barmitteln aufwenden muss.

Das persönliche Minimum ist – leider immer noch – unterschiedlich geregelt: Die Pfändungsfreigrenze liegt mittlerweile bei 1.030,00 EUR. Der sog. “notwendige Selbstbehalt” eines gegenüber einem minderjährigen Kind unterhaltspflichtigen Elternteils liegt derzeit bei 950,00 EUR.

Nehmen wir diesen Mindestbetrag von 950,00 EUR an und addieren jene 300,00 EUR, die man für ein Kind benötigt, dazu – erforderlich ist also ein Netto-Einkommen von 1.250,00 EUR. Um dieses Netto-Einkommen bei Steuerklasse 1 zu erreichen, werden derzeit 1.800,00 EUR brutto benötigt. Nun wollen wir uns nicht großzügigerweise – für Großzügigkeit gibt es angesichts einer so angespannten Situation keinen Raum – mit einer 35-Stunden-Woche begnügen, sondern unterstellen eine Erwerbstätigkeit von 40 Stunden pro Woche. Das macht im Monat durchschnittlich 174 Stunden aus. Jene 1.800,00 EUR auf 174 Stunden aufgeteilt, ergibt einen erforderlichen Brutto-Stundenlohn von 10,34 EUR.

Diese Zahl könnten wir auf glatt 10,00 EUR pro Stunde abrunden – vielleicht muss man auch mal ein paar Überstunden machen …..

Klar ist das alles eine Art “Milchmädchenrechnung” und es wurden von mir nicht alle feinen Differenzierungen berücksichtigt. Um solche Feinheiten muss sich der Gesetzgeber, konkret die betreffenden parlamentarischen Ausschüsse kümmern. Mir ging es lediglich darum, aufzuzeigen, dass wir bei der Diskussion um den Mindestlohn nicht den Unterhaltsbedarf der minderjährigen Kinder vergessen dürfen. Die grob errechneten 10,00 EUR pro Stunde erscheinen daher als sinnvoll und notwendig. Mindestlöhne darunter führen – jedenfalls beim Vorhandensein von Kindern – doch wieder nur zu einer Belastung der Steuerzahler.

Presse – die “4. Gewalt im Staat” und deren Peinlichkeiten …

Da sagt Geißler am Freitag, dem 29.07.2011, in Stuttgart zu den Kontrahenten im Streit um den Bahnhofsneubau: “Wollt ihr den totalen Krieg?!” Jeder weiß, wie das gemeint ist; jeder weiß, dass Geißler sich der starken Formulierung nur bedient, um die Kontrahenten vor einer ausufernden Auseinandersetzung zu warnen. Natürlich erwartet er ein “nein”, während Goebbels seinerzeit ein “ja” erwartete, als er diese Frage den völlig durchgeknallten Massen entgegen schleuderte. Natürlich würde niemand auf die Idee kommen, Geißler wegen der Verwendung dieser Formulierung als Nazi-Verharmloser zu betrachten.

Trotzdem haut ihm das die Presse nach der altbewährten Methode (“Nazi geht immer”) um die Ohren und verlangt, er möge sich entschuldigen. Und DER SPIEGEL mit dabei! Hauptsache Effekt. So gelesen auf SPON am 02.08.2011, siehe hier:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,778020,00.html

Es wurde zur Diskussion aufgerufen. Und jetzt kommt’s: Als der zuständige Administrator (der Autor Schwennicke selbst?) – nennen wir ihn mal “ZENSOR” – bemerkte, dass nahezu alle Foristen sich gegen ihn aussprachen und keinerlei Verständnis für den Angriff auf Geißler zeigten, hat er das Diskussionsforum noch am selben Tag nach nur 60 Einträgen kurzerhand geschlossen! Einfach geschlossen!

Hallo?! Presse?! Was ist mit euch los? Ist es hier jetzt China? Oder Bild-Zeitung? Das Internet-Zeitalter zeigt uns, dass es höchste Zeit wird, die Presse durch das Volk zu kontrollieren! Wobei das Volk nicht erst die “5. Gewalt” ist – nach der Legislative, Exekutive, Judikative und der als “4.Gewalt” bezeichneten freien Presse, sondern die Allererste!