„Sale“ – doch es gibt Hoffnung!

Neulich auf der Zeil in Frankfurt: „Sale“ wo man hinschaut. Mal 20%, mal bis zu 50% – überall prangen einem rote Schilder in den Schaufenstern entgegen, die so klingen, als müsse dort jeder „Sale“ offerieren, weil alle anderen es auch tun. Alle? Nein! Während ich so an den Schaufenstern von „Appelrath & Cüpper“ und – gleich daneben – „Pohland“ entlang laufe, bemerke ich etwas Wundersames, etwas, das mir wie aus einer anderen Welt vorkommt: Auf großen Säulen in den Schaufenstern stehen die Worte „Reduziert“!

Ich wähne mich plötzlich auf einer Zeitreise. Waren es nicht die früheren Generationen, die solche komischen Wörter wie „reduziert“ verwendeten? Ist es nicht ein Zeichen einer (selbstverständlich jungen) urbanen Avantgarde, die so ein Wort wie „reduziert“ ebenso meidet wie das an die Oma erinnernde Wort „Schnäppchenjäger“ und allein schon deshalb „Sale“ braucht?!

Anscheinend nicht. Offenbar besinnen sich angesehene Händler auf der Zeil einer gewissen „Seriosität“ der Sprache als Bestandteil eines ebenso seriösen Werbeauftritts und werden sich der Lächerlichkeit eines lemminghaften Nachäffens bei Verwendung pseudomoderner Wörter, die es so eigentlich gar nicht gibt, bewusst.

Mal im Ernst: Bei mir bewirkt die inflationäre Verwendung von „Sale“ mittlerweile die Assoziation von „Ramsch“ oder „Wühltisch“. Etwa so wie die blinkenden LED-Schilder mit dem Schriftzug „open“ im Schaufenster, die es offenbar nicht in deutsch gibt. Wenn es solche Schilder in arabischen oder türkischen „Gemischtwaren-Billig-Läden“ gibt, mag man sich daran schon gewöhnt haben. Aber wenn so ein Schild dann aus einer edleren Boutique seine Signale blinkend aussendet, wirkt es nur noch peinlich.

Appelrath & Cüpper und Pohland – herzlichen Glückwunsch! Es ist zur Nachahmung empfohlen.